Tatort Küche: Käsespezial
Tatort Küche – es ist wieder soweit. Aber diesmal mit erhöhten Vorsichtsmaßnahmen. Das Küchenbrett ist mehrfach mit Frischhaltefolie umwickelt, Spüli und Küchentücher liegen griffbereit. Was ich heute Abend vorhabe, ist sicher nichts für schwache Nerven. Wer schon bei würzigem Käse die Nase rümpft, der sollte hiervon lieber die Finger lassen. Warum mache ich das Alles dann überhaupt? Das Ziel ist ein Köder, der sich sowohl optisch als auch geruchlich von herkömmlichen Ködern absetzen kann.
Spätestens bei dem Wort „Käse“ habe ich wohl das Interesse bei Friedfischanglern und Feinschmeckern gleichermaßen geweckt. Und richtig, ich versuche heute eine sehr aromatische und fängige Käsepaste zu machen. Meine Zielfische sind natürlich Döbel und Barben, wohl die bekanntesten Käseliebhaber unter den Fischen.
Für so eine Paste braucht man nicht viel, denn die Einfachheit ist ihr großes Plus. In kurzer Zeit kann man sich eine aus Käse, Fischmehl, Eiern und frischem Weißbrot selber herstellen. Um noch die ein oder andere Nuance zu setzen, kann man sich zusätzlich einer großen Bandbreite an Lockstoffen und Additiven bedienen.
Bei der Auswahl des richtigen Käses sind uns kaum Grenzen gesetzt. Der Käse sollte relativ weich sein, da wir ihn später pürieren wollen. Zu meinen Favoriten zählen der Blauschimmel, der Cheddar, und der Harzer. Beim Harzer suche ich im Supermarkt nach den „reiferen“, also nach solchen die bald ablaufen. Dann hat er sein volles Aroma entwickelt. Wenn ich ihn jetzt noch 2-3 Tage bei Zimmertemperatur liegen lasse, ist er perfekt. Um den Teig noch geschmeidiger zu machen, können wir ihn mit jedem beliebigen und preisgünstigen Weichkäse aufpeppen.
Ich mische gerne 2-3 verschiedene Käsesorten miteinander, im Schnitt ca. 400g für ein knappes Kilogramm Paste. Die Rinde wird vorher entfernt, da der Teig 100% klumpenfrei sein sollte. Es wäre zu ärgerlich, wenn ein Stück Rinde die Hakenspitze blockiert und der Fisch dadurch nicht richtig gehakt werden kann. Die gewürfelten Stückchen werden dann zusammen mit einer halben Tasse Wasser und 2 Eiern für 5 Minuten püriert. Das Wasser verrühre ich vorher mit dem Flavour meiner Wahl. Zum Beispiel Scopex, Muschel, Banane oder Tutti Frutti. Das ist der kreative Part, jeder Angler kann seiner Paste eine eigene Note verleihen.
Im nächsten Schritt bereite ich das Weißbrot vor, in diesem Fall normalen Buttertoast. Die Rinde wird entfernt, 10-12 Scheiben werden in kleine Stücke gerupft und so fein wie möglich zerkleinert. Als Weihnachtsschmankerl habe ich diesmal auch einen Rest Gewürzstollen zerkleinert und beigemischt.
Um der Paste die richtige Konsistenz zu verleihen, sollte man sich ein wenig Zeit nehmen. Eben wie mit dem Anrühren von Grundfutter. Das fischige Mehl, das zerkleinerte Weißbrot (engl. „liquidized bread“) und der Stollen werden Schritt für Schritt zum pürierten Käse gegeben und miteinander verknetet. Das Fett haftet leider tierisch gut an den Händen, genau wie der Geruch. Deswegen benutze ich Einweghandschuhe aus dem Supermarkt, die ich vorher unter laufendem Wasser abgespült habe. Um den optischen Reiz zu erhöhen, kann man Futterfarben zur Hilfe nehmen. Dabei bietet sich die Farbe Gelb geradezu an.
Im Allgemeinen muss der Teig zwei Eigenschaften erfüllen. Er muss sowohl gut auf dem Haken sitzen als auch weich genug sein, um gleichmäßig seinen Geruch freisetzen zu können. Der Teig hat die richtige Konsistenz, wenn er 2-3 lockere Würfe übersteht. Um das zu erreichen, wird der Teig für 3-4 Minuten gut auf dem Küchebrett durchgeknetet.
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Die Paste wird entweder am Haar oder direkt am Haken angeboten. Für das aktive Fischen mit einem Rollblei oder einem rollenden Futterkorb bevorzuge ich die direkte Beköderung. Anders als bei der Haarmontage kann ich dabei ausschließen, dass Treibgut den Haken blockiert und unbrauchbar macht. Der Drennan „Specimen“ Haken Größe 10 mit seiner abgeschrägten Spitze ist eigentlich optimal für diese Methode. Er hält einen ordentlichen Klumpen Paste und fasst sehr sicher und schonend in der vorderen Maulpartie des Fisches.
Um unsere Zielfische auf den Köder aufmerksam zu machen, verwende ich fein gemahlenes Weißbrot in einem kleinen Futterkorb. Nach dem Werfen lasse ich ein paar Klänge Schnur von der Rolle abspringen. Sobald der Schnurbogen von der Strömung erfasst wird, drückt er den leichten Korb langsam stromab. Das fein gemahlene Weißbrot löst sich dabei aus dem Korb und treibt langsam über den Spot hinweg. Den Auftrieb des Weißbrots kann man mithilfe von Wasser gut regulieren. Um es gleichmäßig zu benetzen verwende ich eine Wassersprühflasche mit Zerstäuber.
Auch wenn die Käsepaste nicht sofort auslaugt, ist es ratsam bei jedem Wurf neu zu beködern. Einen Biss erkennt man während der Drift am Entspannen der Quiverspitze und am Erschlaffen der Schnur. Wie bei einem Fallbiss. Sobald der Korb aber am Ende der Drift an fast gestreckter Schnur zur Ruhe kommt, kann man die Bisse wieder wie gewohnt am Ausschlagen der Rutenspitze erkennen.
Ich bin jedes Mal aufs Neue überrascht, wie vehement und scheinbar arglos die Käsepaste genommen wird. Es ist kein Wunderköder, aber eben einer dieser Köder, die einen in ihren Bann ziehen können.
Petri Heil!
Wünscht euch: Max Seitner
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